Preis/Wert: Seltene Erden

Wie könnte die Zukunft auf den Wert von Erdenmetallen einwirken?
Welchen Einfluss auf die Preisentwicklung von Scandium Lanthan Cer Praseodym Neodym Promethium Samarium Europium Yttrium Gadolinium Terbium Dysprosium Holmium Erbium Thulium Ytterbium Lutetium haben Faktoren wie Knappheit und Technologie? Vektor geht in diesem Zusammenhang auch auf folgende Fragen ein. Sind die Erdenmetalle das Öl der Zukunft? Welche Nutzungsvielalt versprechen die Technologiemetalle? Welche Vorkommen von Seltenen Erden gibt es?

Average Chinese domestic prices for selected rare earth oxides in Q2 2013 and Q2 2014 (in U.S. dollars per kilogram)*
Price in U.S. dollars per kilogramQ2 2013Q2 2014
Lanthanum oxide 5.43 3.24
Cerium oxide 5.44 3.15
Neodymium oxide 45.3 50.31
Praesodymium oxide 57.91 94.54
Samarium oxide 5.88 3.25
Dysprosium oxide 246.74 264.79
Europium oxide 636.24 621.6
Terbium oxide 481.8 507.11

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Preise (China Inland): Als wichtiger Anhaltspunkt dienen Charts über die durchschnittliche chinesischen Inlandspreise für ausgewählte Seltene Erden (Chart-Zeitraum 2013-2014)

Seltene Erden: Das Öl der Zukunft?

Erden - Sie werden als "Treibstoff der Moderne" bezeichnet und gehören neben den fossilen Brennstoffen zu den begehrtesten Rohstoffen der Welt. Einige Wirtschaftswissenschaftler gehen sogar so weit und ordnen den Seltenen Erden in absehbarer Zukunft einen viel höheren Stellenwert als den fossilen Rohstoffen zu. Doch was genau sind Seltene Erden und warum sind sie für die Weltwirtschaft von so großer Bedeutung?

Die Nutzungsvielfalt der Technologiemetalle

Der Begriff "Seltene Erden" (oftmals auch "Seltenerdmetalle" genannt) ist ein Oberbegriff für sämtliche chemischen Elemente der dritten Hauptgruppe des Periodensystems. Es sind, abgesehen von den Actinoiden, exakt 17 verschiedenartige Metalle, dessen Namen für Außenstehende exotisch als auch geheimnisvoll klingen. Aufgrund ihrer individuellen Eigenschaften weisen die Metalle für die Industrie eine unterschiedlich hohe Bedeutung auf. Einen großen industriellen Nutzen haben vor allem die Elemente Yttrium, Lanthan, Cer, Praseodym, Neodym, Samarium, Europium, und Gadolinium. Wichtig ist, dass die Seltenen Erden im Vergleich zu dem Vorkommen anderer Metalle gar nicht so selten sind, wie es der Name suggeriert. Es ist lediglich die große Nachfrage, welche die genannten Metalle zu einem essentiellen Bestandteil der Industrie macht und die Preisentwicklung in der Vergangenheit vorangetrieben hat. Vor noch wenigen Jahren waren sich Experten sicher, dass die Preisentwicklung aufgrund der hohen Nutzungsvielfalt auch in Zukunft zunehmen werde, da die Herstellung von mobilen Geräten, Computern und sogar Hybridfahrzeugen auf die Metalle angewiesen sei.

Vorkommen & Abbau Seltener Erden

Da China mit etwa 36 Prozent über einen großen Anteil des Seltenerdmetallvorkommens verfügt, die Gewinnung der Elemente mit hohen Umweltbelastungen verbunden ist und lockere Umweltvorschriften im asiatischen Raum ihren Abbau ermöglichen, profitiert vor allem China mit dem Handel von Seltenen Erden. Weitere nennenswerte Regionen, in denen ein hohes Vorkommen Seltener Erden vermutet wird, sind mit circa 19 Prozent die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten, mit ungefähr 13 Prozent die Vereinigten Staaten als auch mit 5,4 Tonnen und somit 5,5 Prozent Australien. Im Gegensatz zu China sind die letzteren Regionen jedoch nicht oder zumindest nur im geringem Maße am Abbau der Seltenerdmetalle interessiert. Aus der Untersuchung der Lynas Corporation von 2012 geht hervor, dass China mit 97 Prozent des kompletten Abbaus das größte Bestreben hat, Seltene Erden zu gewinnen und zu vermarkten. Russland, Indien und Brasilien, die zusammen lediglich 2,7 Prozent des kompletten Abbaus ausmachen, stellen zwar die größte Opposition dar, sind jedoch für den weltweiten Abbau der Seltenerdmetalle nahezu unbedeutend.  

Wie zukunftssicher sind Seltene Erden?

Lange Zeit nahmen Wirtschaftswissenschaftler an, dass Seltene Erden in Zukunft eine vergleichbare Bedeutung wie fossile Rohstoffe erhalten würden. Besonders in dem Zeitraum von 2006 bis Anfang 2011 nahmen die Preise der Seltenerdmetalle unverhältnismäßig stark an, sodass Banken mit Zertifikaten auch Anleger zum Investment lockten. In diesem Zeitraum ist alleine der Preis für Dysprosium von 60 auf 2400 US-Dollar pro Kilogramm auf das Vierzigfache gestiegen. Ab dem Ende von 2011 haben die Metalle jedoch einen erheblichen Preisrückgang, von welchem sie sich bisher noch nicht erholen konnten, erlebt. Laut der Deutschen Rohstoffagentur habe der Preisverfall mehrere Ursachen. So sei bei schwereren Metallen schlichtweg die Nachfrage eingebrochen. In der Leuchtmittel-Branche haben sich stattdessen LEDs, die nur geringe Mengen der Spezialmetalle benötigen, etabliert, während für Dauermagnete der Offshore-Windanlagen oder Auto-Lenksysteme preisgünstige Ersatzstoffe entwickelt wurden. Auch wenn Seltene Erden in Zukunft weiterhin für die Herstellung elektrischer Geräte gebraucht werden, können Ersatzstoffe die Monopolstellung Chinas zumindest teilweise gefährden. Und obwohl China derzeit mit Maßnahmen wie der Aufhebung der Exportbeschränkungen für Seltene Erden entgegenwirkt, sei ein solch gewaltiger Preisanstieg wie in dem Zeitraum von 2006 bis 2011, nicht mehr zu erwarten.

Vektor - freiberuflicher Autor & Jurastudent