Archäologische Prospektion

Integration von Prospektionsdaten in online-gestützte Mapping-Tools - Fluch oder Segen?

In Zeiten, in denen die öffentliche Hand um jeden Euro ringt, leiden darunter in erster Linie staatliche Institutionen wie die Denkmalpflege und somit auch im Allgemeinen die Archäologie in unserem Land. In der Folge bleiben viele weiße Flecken auf der archäologischen Landkarte zurück, was zur Folge hat, dass unzählige Artefakte, denen das Potenzial innewohnt, kulturhistorische Erkenntnislücken zu füllen, auf unbestimmte Zeit im Erdboden verborgen bleiben. Umso bedeutender wird es in Zukunft sein, die knappen Ressourcen so effizient wie möglich zu verwenden, verstärkt auf geophysikalische Prospektionsverfahren zur Informationsgewinnung zu setzen und letztlich die Potenziale der Digitalisierung zu nutzen.

Die Grundlage jeder archäologischen Untersuchung ist die Prospektion, also die Erkundung, eines definierten Gebietes, um dort eventuell vorhandene, jedoch unter dem Schutt der Jahrhunderte verborgene Strukturen aufzuspüren. Mit Hilfe moderner Techniken wie geomagnetischen Messungen, Bodenradar-Messverfahren sowie der LIDAR-Technologie ist es Archäologen heute binnen vergleichsweise kurzer Zeit und ohne Grabungen möglich, riesige Datenmengen über vielversprechende Fundorte zusammenzutragen. Infolge des Ressourcenmangels ist es jedoch nicht möglich, die Spuren der Vergangenheit eingehender zu erforschen, und so verbleiben die gewonnenen Daten nicht selten auf behördeninternen Servern. Würden sich die in Fachkreisen Verantwortlichen jedoch dazu entschließen, Prospektionsdaten in die Mapping-Tools der großen Suchmaschinen einzupflegen, würden sich gänzlich neue Perspektiven für die moderne Archäologie auftun, die einerseits Chancen bieten andererseits jedoch auch zusätzliche Verantwortung nach sich ziehen.

Die hypothetische Veröffentlichung von konventionellen und geophysikalischen Prospektionsdaten mit Hilfe digitaler Kartendienste würde selbstredend auf einen Schlag zahlreiche kulturhistorisch bedeutende Stätten offenbaren, die einem Großteil der Bevölkerung bisher unbekannt waren, was die Gefahr in sich birgt, dass die betreffenden potenziellen ober- und unterirdischen Bodendenkmäler durch Massentourismus oder Grabungen jenseits der Legalität gefährdet werden. Im Gegenzug offenbart sich allerdings die große Chance, mit verantwortungsbewussten Sondengängern zusammenzuarbeiten, die mit ihrem Know-How und der entsprechenden Manpower dazu beitragen können, die identifizierten potenziellen Fundstellen genauer unter die Lupe zu nehmen und bedeutende Erkenntnisse zutage zu fördern. Darüber hinaus könnte die Veröffentlichung und damit das Bekanntwerden von unsichtbaren Bodendenkmälern dazu führen, dass dieser Faktor im Zuge von Neubauprojekten gleich von Beginn an eingeplant werden kann, und die Anzahl der unter extremem Zeitdruck stehenden Notgrabungen erheblich reduziert wird.

Der große Vorteil der geschilderten hypothetischen Integration von Prospektionsdaten in frei zugängliche Kartendienste besteht zudem darin, dass die ehrenamtlich als Hobby-Archäologen tätigen Sondengänger noch enger mit der klassischen Archäologie zusammenarbeiten können, womit sich für viele der Kindheitstraum erfüllt, genehmigte Untersuchungen an kulturhistorisch bedeutenden Orten durchführen zu können. Für die Archäologie könnte dies bedeuten, dass die verfügbaren Ressourcen vermehrt in die großflächige Prospektion gesteckt werden können, wodurch sich bereits große Mengen wertvoller Meta-Daten über potenziell interessante Untersuchungsgebiete gewinnen lassen, die zunächst durch offiziell beauftragte Sondengänger kostenneutral in Augenschein genommen werden können, bevor kostspielige Grabungen stattfinden. Die Voraussetzung für die in wissenschaftlicher Hinsicht gewinnbringende Zusammenarbeit zwischen Sondengängern und der klassischen Archäologie ist jedoch eine eingehende Schulung der Freiwilligen, da es sich in den meisten Fällen um unberührte Erdschichten handelt, die in situ Funde enthalten, deren Fundzusammenhang nicht zerstört werden darf.

Unter dem Strich überwiegt das vielversprechende Potenzial der offenen Informationspolitik, da auf diesem Weg großflächige Erkenntnisse gewonnen werden können und zum Schutz von Bodendenkmälern beigetragen werden kann. Allerdings verlangt die ausgestreckte Hand der Archäologie im Gegenzug von allen Beteiligten ein hohes Verantwortungsbewusstsein.

Kevin Wendling (Informationsmanagement) 




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