Schatzversteck: Piratenschatz im Mittelmeer

Ein Gedankenexperiment der Archäologin A.Rauber

Als Pirat in früheren Epochen der Menschheitsgeschichte hätte man sicherlich versucht, einen wertvollen Schatz so gut wie möglich zu verbergen. Damit dieser nicht von Plünderern entdeckt werden konnte, hätte man ein solches Versteck idealerweise fernab von großen und belebten Küstenstädten, Häfen und Orientierungspunkten (wie etwa der Insel Dia) und Knotenpunkten der großen Handelswege (Bernsteinstraße, Seidenstraße) gewählt. Inseln wären mit Sicherheit eine gute Wahl gewesen, jedoch im besten Fall solche, die möglichst nicht in unmittelbarer Nähe der großen Seerouten (z.B. Gewürz- oder Teestraße) lagen.

Ein perfekter Ort für ein Versteck wären demnach Mittelmeerinseln, denn:

- Das Mittelmeer ist vergleichsweise isoliert. Da die wichtigsten See-Handelsrouten nicht durch dieses Meer führten, herrschte hier bis zum Bau der Kanäle und dem Ausbau der Handelsbeziehungen in der Frühen Neuzeit vergleichsweise "wenig" Schiffsverkehr.

- Im Mittelmeer gibt es viele, kleine Inseln, die in historischer Zeit nicht oder nur dünn besiedelt waren.

- Das Mittelmeer konnte vom Spätfrühling bis in den Sommer hinein wegen seiner starken Strömung nicht besegelt werden, auch die Rudergeschwindigkeit altertümlicher Schiffe reichte nicht aus, um dieses Meer dann zu befahren. Somit war ein versteckter Schatz in diesem Zeitraum relativ sicher.

- Das Mittelmeer ist von Europa, Asien und Afrika aus gut zu erreichen - Was jedoch unter Umständen auch von Nachteil sein kann.

In Frage kämen als Schatzversteck vor allem die zahlreichen, kleinen Inseln, die zum heutigen Griechenland gehören - das sind immerhin 82% aller Mittelmeerinseln! Viele von ihnen sind felsig und bis heute unbesiedelt, wodurch ein Pirat die Möglichkeit gehabt hätte, in einem der Felsvorsprünge oder engen Höhlen unbeobachtet seine Beute zu verstecken. Als realhistorisches Beispiel wäre die gebirgige Insel Saria anzuführen, deren Bewohner 1420 aufgrund ständiger Piratenübergriffe flüchteten. Bis heute ist die Insel (fast) menschenleer. Das Vergraben eines Schatzes, wie es klischeehaft in Filmen und Büchern dargestellt wird, ist auf felsigem Boden natürlich schwierig bis unmöglich. Es wäre jedoch ohnehin nicht von Vorteil gewesen, denn 1. hätten viele Arten von Schätzen und Kunstgegenständen unter der Bodenfeuchtigkeit gelitten und 2. wäre es problematisch gewesen, genau diese Stelle später wiederzufinden - es sei denn, man hätte sie markiert, was jedoch auch andere auf das Versteck hätte aufmerksam machen können.

Autorin: Natascha Rauber M.A., studierte Germanistin und Archäologin

Verborgene Schätze und Funde